Interview mit Julius Sebö
Das Interview führte Violetta Kovács,
Schriftstellerin und Journalistin, mit Julius Sebő, Erfinder und Produktionsleiter von JULIUS-K9® am 3.3.2008
Auszüge aus dem Interview vom 3.3.2008
K.V.: Kann eine Erfindung wie das Julius-K9 Powergeschirr der Weg zu Reichtum sein? Oder wird man ständig mit Problemen konfrontiert, während das Unternehmen nur Geld kostet?
J.: Probleme gibt es immer. Es stimmt, dass ein sich so rapid entwickelndes Unternehmen ein schnelles Reichwerden von Inhaber und Arbeiter unmöglich macht. Das war aber auch nie meine Zielsetzung.
K.V.: Was motiviert Sie dann immer noch?
J.: Unternehmensprofit ist für mich als Zukunftssicherung unserer Firma wichtig. Ich selbst habe mich nie nach Dingen gesehnt, die normalerweise unerreichbar sind. Zum Beispiel weiß ich nie, wie viel Geld wir zu einem bestimmten Zeitpunkt haben werden. Also verzichte ich einfach auf das, was wir uns nicht leisten können.
K.V.: Worin besteht Ihre Motivation?
J.:Oh ja, das ist eine ganz wichtige Frage. Die Perfektion und das Streben nach Vollkommenheit unserer Produkte ist mein täglicher Antrieb.
K.V.: Genauer gesagt?
J.: Wir möchten perfekte Produkte im Rahmen unserer Möglichkeiten herstellen. Es ist eine tägliche, abenteuerliche Reise durch ein Labyrinth von Organisationsfragen, Produktionstechnologien, Materialfragen und neuen Problemen. Wir können ständig noch Besseres produzieren. Finanzielle Sicherheit und unsere Bodenständigkeit ermöglichen uns diese ständige Weiterentwicklung unserer Geschirre.
K.V.: Hatten Sie am Anfang keine finanzielle Deckung? Der Anfang ist immer schwer, nicht wahr?
J.: Rückblickend erscheint es mir unglaublich, dass unsere Powergeschirre praktisch aus dem Nichts entstanden sind. Wir haben mit sogenannten Abfallprodukten verschiedener Textil- und Autofabrikanten angefangen. Damals konnten wir uns nur diese Preise leisten.
K.V.: Wenn man ein mit heutigen Technologien hergestelltes Geschirr in die Hand nimmt, lässt sich sehen, was alles zur Herstellung gebraucht wird.
J.:Uns ist das auch nicht von gestern auf heute gelungen. Ich habe mit den Entwicklungen bereits 2000 begonnen, aber die heutige Qualität ist erst 2005 erreicht worden. Bereits damals wurden aber unsere Geschirre schon von Fachhändlern und Polizeibehörden anerkannt.
K.V.: Von den Polizeibehörden?
J.: Ja, dieses Geschirr habe ich ursprünglich ganz konkret für Polizeibehörden bzw. ihre Polizeidiensthunde entwickelt. Viele Hundeausbilder haben mir damals bei der Entwicklung geholfen. Ich wollte das herkömmliche Geschirr unter der Bezeichnung „Kenndecke”, auf dem der Name des Benutzers, des Vereins oder der Polizeibehörde zu lesen war, durch ein besseres Geschirr ersetzen.
K.V.: Sie haben also die Geschirre mit den alten Beschriftungen einfach kopiert?
J.: Nein. Es ging nicht um einfaches Kopieren, aber erste Beschriftungen für Hundegeschirre existierten schon, das stimmt. Diese Beschriftungen konnten aber nicht variiert oder entfernt werden. Das Geschirr selbst war weder förmlich nur statisch zum vielseitigen Einsatz geeignet. Diese ersten, alten Geschirre mochte ich gar nicht! Da ich sie aber selbst hergestellt und in täglicher Nutzung hatte, wurde mein Ziel, etwas noch Besseres zu entwickeln, immer ausgeprägter.
K.V.: ...und wurde Ihr Produkt wirklich besser oder einfach nur anders?
J.:Die Antwort auf diese Frage liegt in der heutigen großen Beliebtheit des Power-Geschirrs. Bei diesem Produkt ist alles ganz anders als bei den herkömmlichen Hundegeschirren: die Form, die Größenverhältnisse, das Brustgeschirr, das durch den Klettverschluss größenverstellbar ist, der Handgriff, der durch seine Stärke verhindert, dass der Hund eine Richtungsänderung vornimmt… Und natürlich die seitlich angebrachten Beschriftungen mit Kletthalterung!
K.V.: Würden Sie uns bitte erzählen, wie das mit den Beschriftungen begonnen hat?
J.: Wie gesagt wurde 2005 unser Produkt auf einmal erfolgreich und zum Selbstläufer. Wir haben die Zulassung zum Gebrauch an Diensthunden vom Österreichischen Innenministerium erhalten und das Power-Geschirr wurde erstmals bei der VDH-Ausstellung in Dortmund vorgestellt. Es musste nur noch die Abnahme und die Stückzahlen für unsere Werkstätte gewährleistet sein. Da ist uns plötzlich die Idee gekommen: Es sollte verschiedene Beschriftungen geben! Ich habe damals mit meiner Frau Anikó auf der Terrasse gesessen, und… - unter großem Lachen haben wir die ersten Beschriftungen erfunden. Hot Lady, Macho, Sexmachine, Girlpower, Hot Dog… Wir haben uns immer wieder die Hunde vorgestellt, wie sie mit diesen Beschriftungen herumlaufen! Es war einfach toll und sehr, sehr lustig!
K.V: Hatten Sie keinen Zweifel am Erfolg?
J.: Wir waren vom Erfolg überzeugt. Das konnte nur Gutes bringen - sowohl für den Menschen als auch für den Hund. Eine neue Form der Kommunikation zwischen Menschen und Hunden kann dadurch beginnen dachten wir uns. Das Tier spricht! Und das bringt die Menschen zum Lachen. Die meisten Menschen missverstehen oder verstehen gar nicht die Kommunikation der Tiere. Durch unsere Beschriftungen sprechen die Tiere die Menschensprache und ihre Wirkung auf Menschen wird dadurch plötzlich völlig anders. Dieses Experiment hielten wir für äußerst spannend.
K.V.: Was sagen Sie dazu, dass es immer mehr Raubkopien und Plagiate gibt? Sogar in China wird Ihr Produkt hergestellt soweit ich weiß.
J.: Der Ideendiebstahl ist leider eine Problem auf der ganzen Welt. Die menschliche Gier, der Neid und die Gewissenlosigkeit kennen leider keine Grenzen. Alle großen Marken haben das gleiche Problem und versuchen, sich in unterschiedlichsten Formen davor zu schützen.
K.V.: Wie bekämpfen Sie dieses Problem?
J.: Vor allem suchen wir nach der einfachsten Lösung: Wir produzieren einfach die bestmögliche Qualität. Aber das Sie wissen schon, das ist meine absolute Zielsetzung!
K.V.: Haben Sie noch nie daran gedacht, einen Prozess gegen diese Ideendiebe zu führen?
J.: Doch. Aber das ist die Aufgabe unserer Anwälte. Mir beruhigt der Gedanke sehr, dass es (nicht nur) in Europa gesetzeswidrig ist, Ideen und Design zu stehlen und zu kopieren. Weiter möchte ich hier dieses Thema aber nicht vertiefen.
K.V.: Ich danke Ihnen für das Gespräch.